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„Zwiefacher“, Rock’n’Roll und Mozart – zwischen Werten und Facebook
Ein Blick auf Jugendstudien, musikalische Bildung und kulturelle Werte
Verfasser: Mag. Michael Seywald, Landesdirektor Musikum
Sehr oft sprechen wir über Werte, Bildung, politische Programme, Firmenphilosophie usw., vieles wird nach Werten ausgerichtet. Wesentlich seltener wird darüber reflektiert, was mit Werten konkret gemeint ist und wie diese vermittelt werden. Zudem stellt sich die Frage: „Welche Werte vertreten eigentlich die Jugendlichen von heute, was hat sich geändert, und hat das etwas mit einem Zwiefachen, einem Rock Song, einem Stück von Mozart oder mit dem Spielen eines Instrumentes, mit dem Singen oder mit dem Tanzen zu tun?“

In einem Bericht zur Jugend-Wertestudie 2011[1] wird Hans Joas zitiert, dass Werte etwas sind, „das uns ergreift, das wir nicht direkt ansteuern können, das aber, wenn es uns ergreift, zu einer spezifischen Erfahrung der Freiheit führt (…)“[2] … „Sie geben uns Orientierung darüber, ob unsere Wünsche ethisch legitim oder nicht legitim sind und lassen uns handeln, indem sie vor allem unsere Gefühle ergreifen“.

Gefühle werden angesprochen und wir können daraus ableiten, dass Werte nicht abstrakt vermittelbar sind. Zur Vermittlung von Werten braucht es eine intakte Beziehung und vertrauensvolle, authentische Vorbilder, also einen starken emotionalen Bezug. Hier finden wir die Brücke zur Musik. Das Lernen von Musik ist ein hoch emotionaler Akt, es kann nur über die Sinne sowie intakte Beziehungen und positive Emotionen zum Erfolg führen.

Beim Musiklernen werden fast wie im Vorübergehen, quasi subkutan, moralische Werte vermittelt, ob wir das wollen oder nicht. Wir sind uns dessen selten bewusst. Den Musikstücken und Texten, dem gemeinsamen Musizieren, dem Sich-Mitteilen-Wollen, dem Gestalten-Wollen, dem Üben, dem Erarbeiten und dem gemeinsamen Proben, all dem liegt ein Wertekatalog zu Grunde, der tagtäglich erlebt und gelebt wird.

Sittliche Werte
Sittliche Werte eignet sich der wertorientierte Mensch dadurch an, dass er seine Einstellungen und vor allem seine Handlungen im Sinne der Werte ausrichtet: „Baumeister wird man, indem man baut, und Kitharakünstler, indem man das Instrument spielt. So werden wir auch gerecht, indem wir gerecht handeln, besonnen, indem wir besonnen, und tapfer, indem wir tapfer handeln,“[3] so wird in der Studie der Philosoph Aristoteles zitiert. Wenn man den Gedanken von Aristoteles folgt, dann ergibt sich die Konsequenz, dass wertorientiertes Handeln nur innerhalb einer Gemeinschaft und deren Werten entstehen kann.

Sittliche Werte müssen analog von „face to face“ erlebt und in Folge gelebt werden, dann können sie sich entfalten und verbreiten, und erst dann bekommen sie Bedeutung für das menschliche Handeln. Bekenntnisse in den sozialen Netzwerken sind zu wenig. Auch eine große Anzahl von Facebook-Freunden dürfte dafür keine ausreichende Basis bilden. Interessant wird die Frage, welche Veränderungen in diesem Zusammenhang digitales Lernen bringen wird, wenn sich das emotionale Erleben und die Beziehungen ändern. Das Ermöglichen, Werte zu leben, ist uns in der musikalischen Ausbildung sehr wichtig.

Wertevermittlung durch Musizieren
All die Voraussetzungen für eine nachhaltige Wertevermittlung finden im gemeinsamen Musizieren und in der Musizierpraxis statt. Die Grundlage dafür ist ein praxisorientiertes Ausbildungskonzept im Musikum, das Kindern und Jugendlichen die aktive Gestaltung eines Kulturraumes ermöglicht und ihnen damit jene Verantwortung überträgt, die im Sinne von Aristoteles wertorientiertes Handeln ermöglicht. Man kann daraus schließen, dass das Erlernen einer unserer bedeutendsten Kulturtechniken – des Musizierens – sehr viel mit erfolgreicher Vermittlung von Werten zu tun hat. Denkt man an das Lernen in jeder Art von Musik, das in erster Linie über das Sehen, Hören und Nachmachen und meist über die Gemeinschaft funktioniert, so ist die Volksmusik im Besonderen, aber auch die Popmusik oder klassische Musik im Heute und für die Zukunft ein wichtiger und prägender Garant für eine Wertehaltung. Sie stärkt das Miteinander und hält die Kanäle der sinnlichen Wahrnehmung, die in einer hochtechnisierten Welt zunehmend verkümmern, offen und sensibilisiert sie...

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1) Bericht zur Jugend-Wertestudie 2011, Hrsg: Institut für Jugendforschung - jugendkultur.at, Studienleitung und Berichtslegung: B. Heinzlmaier, P. Ikarath, 2012.
2) Vgl. ebenda, S. 16.
3) Vgl. ebenda. S. 15.
30.04.2019 · Günter Schaufler · Musikum Landesdirektion
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