29. Januar 2026
Vom Üben zum Können
Wie wichtig das richtige Know-how und das Vermitteln von Techniken ist, haben wir mit der Musikum-Lehrerin Tomoko Sato besprochen.
Schon allein der Begriff „Üben“ kann bei so manchen Schüler:innen sogar Widerstand auslösen, werden damit doch endloses Wiederholen, Fehlermöglichkeiten und mühsames Techniklernen assoziiert. Doch genau bei dieser negativen Konnotation beginnt das Missverständnis, erklärt Tomoko Sato, Lehrerin für Querflöte und Blasorchester am Musikum Salzburg-Stadt: „Schon die Wortwahl ,Fehler‘ ist falsch. Pessimistisches Üben verlangsamt massiv das Wachstum. Üben bedeutet, Fehler zu machen. Der Erfolg besteht nicht darin, keine falschen Töne zu spielen. Denn der Lernerfolg misst sich viel mehr an musikalischem Verständnis und Ausdruck, nicht an der Fehlerrate.
Fundierte Übetechniken für die Finger bzw. Hand
Es gibt einige wissenschaftlich-sportmedizinisch belegte Methoden, die besonders effektiv sind. Dazu gehört das Üben in kleinen Abschnitten (zwei bis fünf Töne), verschiedene Übetechniken mit dem Metronom (extrem langsam, verschiedene Geschwindigkeiten) oder das Üben mit punktierten Rhythmen. Besonders hilfreich ist es, das eigene Üben aufzunehmen. Trotzdem gilt: Technik allein wirkt wenig, wenn das strukturelle und expressive Verständnis eines Stückes fehlt – das ist die Basis des Musizierens, auf der Übetechniken erst aufbauen können.
Geduld, Wiederholungen und Körperbewusstsein
„Bei allen Arten des Übens sollten unerwünschte Bewegungen nicht sofort korrigiert werden, das Gehirn unterscheidet nicht zwischen richtigen und falschen Bewegungen. Man sollte zwei Sekunden warten, die Bewegung erneut ausführen und das dann tausend Mal wiederholen“, erklärt Tomoko Sato. Wichtig ist auch, mit dem ganzen Körper zu üben: die Schultern entspannt zu lassen, im Gehen oder mal auf einem Bein stehend zu spielen und das Stück auswendig zu lernen, um die kognitive Belastung zu reduzieren. „Das alles dient dazu die richtige Haltung zu finden und so die richtige Vorbereitung für die Feinmotorik zu erzeugen“, so Sato.
Übegewohnheiten trainieren
Lehrende sollten in ihren Schüler:innen möglichst früh die Freude an einem Stück wecken und Übungsgewohnheiten lehren. Dazu gehört, das Stück zu erklären, schwierige Passagen zu identifizieren und diese Stellen optimistisch und konstruktiv zu üben. „Lehrende müssen vermitteln, wie man ein Instrument allein zu Hause übt, nicht nur wie man Töne erzeugt. Es ist zwar möglich, ohne professionellen Unterricht autodidaktisch zu üben, doch wer die Gelegenheit verpasst, richtige Übemethoden zu erlernen, macht nicht nur große Umwege, sondern erreicht in den meisten Fällen das Ziel überhaupt nicht.“