29. Januar 2026

Künstliche Intelligenz und der Musikunterricht von morgen

Die große Stärke einer Musikschule ist der direkte Kontakt mit den Menschen. Im Gespräch mit Musikum-Lehrer Mag. Ronald Wiesauer haben wir mögliche Zukunftsszenarien hinsichtlich KI und Musikvermittlung besprochen.

Als öffentliche Musikschule ist es unser Auftrag, das Erlernen eines Instruments, Ensemblespiel, Gesang, Musikkunde und vieles mehr zu vermitteln. Dabei steht der direkte Kontakt von Mensch zu Mensch, von Lehrer:in zu Schüler:in mit all den künstlerischen, pädagogischen und nicht zuletzt sozialen Themen im Mittelpunkt. . Die Entwicklungen in Sachen Künstlicher Intelligenz beobachten wir trotzdem mit viel Interesse. Die KI wird kein Abbruch unserer pädagogischen Arbeit sein, sondern vielmehr zu einer kontinuierlichen Adaptierung, Erweiterung und Spezifizierung unseres Angebots führen, das bei uns immer von Mensch zu Mensch passieren wird. 

Mag. Ronald Wiesauer ist professioneller Musiker, unterrichtet Gitarre am Musikum Stadt-Salzburg und betreut dort das Tonstudio. Mit technologischen Entwicklungen im Bereich der Musikproduktion ist er somit täglich in Kontakt und auch persönlich verfolgt er mit großem Interesse den Fortschritt auf diesem Gebiet.

Wie bewertest du die Rolle von KI für den Musikunterricht der Zukunft?
So wie in anderen Lebensbereichen wird KI auch den Musikunterricht und insbesondere den Instrumentalunterricht massiv beeinflussen. Zukünftig könnten digitale KI-Werkzeuge den gesamten Lernprozess: von der Vorbereitung über die Unterrichtsstunde bis hin zur Vertiefung zu Hause begleiten. Wie schnell sich die KI-Technologie jetzt tatsächlich entwickeln wird, kann derzeit eigentlich niemand wirklich einschätzen. Die Meinungen der Expert:innen gehen da weit auseinander, von ,es wird implodieren‘ bis zu ,in fünf Jahren leben wir in einer Welt, wie wir sie uns heute nicht vorstellen können‘.

Wie könntest du dir vorstellen, dass KI integriert wird?
Derzeit haben Apps wie MyPianist (KI-Korrepetitor), Moises oder Klangio noch ihre Fehler und doch teilweise massive Ungenauigkeiten, was für viele gegen einen professionellen Einsatz im Unterricht spricht. Aber je besser die KI-Modelle in Zukunft werden, umso besser werden deren Ergebnisse sein. Dank KI-Musikgeneratoren wie Suno könnten z. B. künftig passgenaue Kompositionen für die individuellen Bedürfnisse von Schüler:innen per „Prompt“ erstellt werden. Durch die anschließende KI-basierte Transkription in Notenschrift entsteht mit minimalem Aufwand ein maßgeschneidertes Repertoire für jede(n) Schüler:in. Interaktive Playalongs etc. werden natürlich „nebenbei“ ebenso generiert. 

Warum ist deiner Meinung nach der Präsenzunterricht Lehrende:r-Schüler:in nicht zu ersetzen?
Lernen ist ein zutiefst sozialer Prozess. KI kann zwar Informationen liefern, aber sie kann keine ehrliche, echte Empathie zeigen, kann nicht Vorbild sein. In letzter Konsequenz bildet der direkte persönliche Austausch das Fundament jeder pädagogischen Arbeit. Egal ob im Einzelunterricht, im Ensemblespiel, in der Rockband oder im Orchester. Der menschliche Kontakt ist einfach nicht zu ersetzen, und darum ist der Präsenzunterricht nicht zu ersetzen.

Wie muss sich eine Institution wie das Musikum deiner Meinung nach auf diese Entwicklungen einstellen bzw. ggf. sogar das Unterrichtsangebot adaptieren oder erweitern?

Die Frage ist schwierig zu beantworten, denn es geht hier nicht nur um KI als solches, sondern um die zunehmende Digitalisierung unserer Gesellschaft generell. Auch ohne KI stehen wir hier vor großen Herausforderungen und wir müssen unser Angebot adaptieren. Es gilt, die neuen Möglichkeiten aktiv in den Unterricht zu integrieren, die Lehrkräfte zu schulen – am besten schon während des Studiums – und ihnen auch die Tools zur Verfügung zu stellen, damit diese eben im Unterricht benutzt werden können. Genauso wichtig ist es aber meiner Meinung nach auch, dass sich die Musikschule als ein Ort der „realen, analogen Welt“ definiert, wo sich Menschen noch „in echt“ begegnen können und gemeinsam Freude am Musizieren und Lernen haben.

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