26. Februar 2026
Chiara Schmidt: Musik, die Fragen stellt
Musikum-Lehrerin und Fachbereichsleiterin Tasteninstrumente Chiara Schmidt ist Pianistin, Bergsteigerin und Klimaaktivistin. Sie hat gerade die Workshopreihe „Vom Notenstück zum Kreativitätsglück“ ins Leben gerufen und stellt diese Woche ihre neue CD vor.
Ursprünglich aus Mailand stammend, ist die Musikum-Lehrerin und Fachbereichsleiterin Tasteninstrumente Chiara Schmidt für den Bachelor nach Wien gezogen und für den Master ans Mozarteum nach Salzburg gegangen. Dort hat sie Konzertfach Klavier und IGP studiert. Die Pianistin, Bergsteigerin und Klimaaktivistin liebt Salzburg. „Ich kann mir nicht Besseres vorstellen, als in Salzburg zu leben und zu arbeiten. Hier habe ich perfekte Verbindung von Musik und Gipfelsturm.“
Klettern und Klavier – ein Widerspruch?
Chiara Schmidt ist schon als Kind geklettert, aber auch das Klavier hat sie in den Bann gezogen, und so war sie schon mit 10 am Precollege in Mailand. War sie trotz Klavierunterricht am Berg? „Ja, ich war trotzdem am Berg, aber habe in meiner Jugend dann weniger Klettertouren gemacht. Erst als ich so 21, 22 war, bin ich ambitionierter geworden, Hochtouren zu machen.“ Auf die Frage, ob es den Fingern oder dem Feingefühl beim Klavierspielen nicht schadet, meint sie: „Ich hätte aufgehört, wenn es schädlich für mein Klavierspiel geworden wäre. Ich sehe die Verletzungsgefahr, ich nehme sie in Kauf. Angst, dass ich steifer werde oder Feingefühl verliere, habe ich nicht. Ich habe sogar an Kraft gewonnen, was auch gut fürs Klavierspielen ist.”
Mit Musik Fragen stellen
Schmidt war sich sicher, dass die Musik immer eine wichtige Rolle spielen wird. Allerdings war ihr schon früh bewusst, dass sie für die große Solokarriere die falsche Persönlichkeit hat. „Ich bin zu sozial, und acht Stunden im Kämmerchen ist nicht meine Traumvorstellung“, so die Pianistin. Die Antwort ist für sie durch die Kammermusik und das Unterrichten gekommen. „Da habe ich das Gefühl, meine Persönlichkeitsanteile vermischen sich optimal“, sagt sie und ergänzt: „Egal was ich spiele, es ist mir immer wichtig, dass meine Programme eine Botschaft haben. Das Spezifikum der Musik ist es, dass es kein politischer Diskurs ist. Musik soll zum Nachdenken anregen, aber auf keinen Fall den Anspruch auf Antworten liefern. Ich stelle mit meiner Musik eine Frage in den Raum. Dann kann sich jeder mit dem Thema selbstständig auseinandersetzen.“
Persönlichkeit als Merkmal
Schmidt sieht die Entwicklung eines Musikers vor allem in der Persönlichkeitsentwicklung. „Bei uns Musikern kommt es nicht auf die Technik alleine an, weil es geht auch darum, dass wir etwas zu sagen haben. Wenn ich nicht lebe, kann ich nichts erzählen. Darunter wird auch meine Präsenz und meine Persönlichkeit leiden. Musiker sind Gesamtkunstwerke. Ich würde mich ja nicht unterscheiden, wenn ich nur nach den Regeln spielen würde. Das Bergsteigen hat mir erlaubt, meine Nische zu finden, weil ich meine Persönlichkeit entwickelt habe und nicht hintangestellt habe.“ Nach diesem Prinzip unterrichtet sie auch.
Wir bringen bei, was sie noch nicht haben
Chiara ist es im Unterricht wichtig, dass sie nicht aus jedem und jeder Schüler:in dasselbe entwickeln will. Es geht ihr darum zu erkennen, wer vor ihr steht. Welche Potenziale gibt es und wie kann ich sie entfalten und – das ist ihr auch ganz besonders wichtig – wie kann ich sie bei ihren Schwächen unterstützen? „Wir sind eine Bildungsinstitution. Wir bringen den Menschen bei, was sie noch nicht haben! Am Ende ihres Weges mit mir sollen sie eine Selbstständigkeit am Instrument und einen eigenen Zugang entwickelt haben.“ Sie erzählt auch: „Vieles von dem, was ich mache, braucht Zeit und manchmal braucht es das Vertrauen, zu wissen, dass das, was du heute sagst, erst in drei Jahren verarbeitet wird. Du wirst es nicht mehr mitkriegen, aber du hast den Samen gepflanzt.“
Lieblingsstück: Mozarts Requiem
Wer in Chiaras Schaffen hineinhören möchte, kann das bei zwei Werken aus „Three Passions For Our Tortured Planet“ von Brian Field tun. Mit dem Konzert auf knapp 3.000 Metern Höhe wollte Chiara nicht nur die Schönheit der Musik und der Berge feiern, sondern auch auf die dringende Notwendigkeit hinweisen, die Erde zu schützen.
https://www.youtube.com/watch?v=CGRcLufrGnY&list=RDCGRcLufrGnY&start_radio=1
https://www.youtube.com/watch?v=5evw3XB7AUA&list=RD5evw3XB7AUA&start_radio=1
Hier gehts zum Instagram-Channel von Chiara.
Wer das gesamte BR1-Interview mit Chiara sehen möchte, kann das hier tun.