26. Februar 2026
„Fehler muss man passieren lassen“: Wie innovativer Musikunterricht gelingt
Die Musikum-Lehrenden Thomas Grubinger und Kaspar Fischbacher stellen die Freude am Musizieren in den Mittelpunkt ihres Unterrichts.
„Für mich zählt es als Erfolg, wenn die Schüler:innen jede Woche gerne in den Unterricht kommen“, erzählt Thomas Grubinger, Lehrer für Schlagwerk vom Musikum Hof und Fachbereichsleiter Schlagwerk. Bei ihm haben Schüler:innen die Möglichkeit, im Zirkelunterricht zwei Stunden lang mit ihm, anderen Schüler:innen und auch alleine zu üben, alle haben dabei ihren eigenen Raum. „Dabei können zum Beispiel fortgeschrittene Schüler:innen mit den jüngeren etwas üben oder ihnen was beibringen. Zum Schluss hole ich dann alle zusammen und wir spielen gemeinsam ein Stück oder eine Sequenz.“ Die vom Musikum angebotene Form des flexiblen Unterrichts ermöglichst dieses Zusammenspiels mehrer Schüler:innen und unterstützt so bestmöglich die musikalische Entwicklung.
Schüler:innen gemeinsam musizieren lassen
Vorab ist es wichtig, die Eltern einzubinden, um Interessent:innen herauszufinden. „Bei einem kleinen Vorspielabend informiere ich die Eltern über diese Möglichkeit und versuche so, Interessent:innen herauszufinden, um sie optimal zusammenzustellen und die richtige Literatur suchen zu können“, so Grubinger. Auch Kaspar Fischbacher, Lehrer für Diatonische Harmonika am Musikum St. Johann und Bischofshofen, gestaltet die Unterrichtszeiten manchmal überlappend, sodass die Schüler:innen noch gemeinsam musizieren können. Vor Prüfungen nutzt auch er das Zirkelprinzip mit mehreren Musikum-Räumen, um mit mehreren Schüler:innen gleichzeitig zu üben.
Digitale Übehilfe
Beide Musikum-Lehrer nehmen Videos von Stücken oder Sequenzen für ihre Schüler:innen auf, anhand derer zuhause geübt werden kann. „Gerade bei der Diatonischen Harmonika, wo wir ja sehr viel auswendig spielen und das Instrument nicht klassisch anhand von Tonleitern, sondern mit Dreiklängen aufgebaut ist, ist das sehr wichtig – hier wird sozusagen am Modell gelernt. Früher hab’ ich noch Kassetten aufgenommen, heute üben die Schüler:innen zu einem aufgenommenen Video vor dem großen Fernseher“, erzählt Fischbacher. Zusätzlich hat er ein eigenes Heft mit Griffschriften für seine Schüler:innen erstellt.
Kein Druck, sondern Fingerspitzengefühl
„Fehler muss man passieren lassen“, sagt Grubinger. „Wenn man merkt, er oder sie kommt nicht weiter, dann lässt man diese Stelle und wir machen zu einem späteren Zeitpunkt weiter. Da muss man mit Gespür herangehen und so kommunizieren, dass die Schüler:innen nicht frustriert sind, weil man es schon 100 Mal probiert hat.“ Lieber lässt man die Schüler:innen dann etwas spielen, was sie schon gut können, um ein Erfolgserlebnis zu erzeugen.
Kleine Schritte machen
Auch der Harmonika-Lehrer kennt diesen Trick: „Beim Erlernen der Harmonika ist es zu Beginn ja nicht ganz einfach, wenn links der Rhythmus und rechts die Melodie, z. B. mit einer punktierten Note, gespielt werden muss. Da lasse ich sie das mal ,gerade‘, ohne Punktation üben, ohne das groß zu erklären. Später zeige ich dann die andere Spielart vor. Manchmal lasse ich zu den Melodien auch Texte oder Wörter mitsprechen, damit sie die Rhythmik üben.“ In einer Zeit der Reizüberflutung für Kinder ist Kaspar Fischbacher auch immer auf der Suche nach schnell umsetzbaren Methoden, die rasche Erfolgserlebnisse für seine Schüler:innen bringen.
Bedürfnisorientierter Unterricht entscheidend
Die Stärke des persönlichen Unterrichts liegt im Beziehungsaufbau und dem Eingehen auf die Schüler:innen: „Man muss einfach schauen, was den Schüler:innen guttut und Freude macht. Es bringt nichts, jemanden mit goldenem Leistungsabzeichen zu einem Wettbewerb zu schicken, wenn er einfach nicht der Typ dazu ist“, so Grubinger.