veröffentlicht am 18.03.2025
Eine Mozartmesse zu singen war ein Highlight für mich
Petra Kronberger, österreichische Skilrennläuferin, ist nicht nur zweifache Olympiasiegerin und ehemalige Weltmeisterin, sondern hat auch dreimal in Folge den Gesamtweltcup gewonnen. Abseits des (Profi-)Sports hat die studierte Germanistin und Kunsthistorikerin eine andere ganz große Leidenschaft: das Singen. Seit 2005 singt sie aktiv und regelmäßig in Chören, seit 2008 unter anderem beim KammerChor KlangsCala des Musikums unter der Leitung von Helmut Zeilner.
Welche Emotionen weckt Musik bzw. Das Singen in Ihnen, und wie können diese Ihrer Meinung nach gezielt für sportliche Leistung genutzt werden?
Musik bringt mich, je nachdem welche Art, in eine bestimmte Schwingung, ob freudvoll, melancholisch, schwung- oder kraftvoll. Manchmal fühlt es sich an, als würden sich subtile Blockaden lösen und die Musik mithelfen, die Energie ins Fließen zu bringen. Das ist auch eine der wichtigen Komponenten im Sport: Zugriff auf maximale Energie und in den sogenannten Flow kommen.
Welche Rolle spielte Musik für Sie persönlich im Training und im Wettkampf in ihrer aktiven Profisportzeit?
Musik war für mich nach dem Training als Entspannung wichtig. Das Hören der Ö3-Hitparaden bei der sonntäglichen Anreise zum Trainingskurs oder ins Internat war ein Ritual. Bei den Rennen lenkte mich die Musik am Start von nervösen Gedanken ab und brachte mich in eine motivierende Stimmung, um im Wettkampf richtig anzugreifen.
Gibt es bestimmte Musikgenres oder Songs, die Sie besonders motivieren oder fokussieren?
Austropop mit Songs von STS, Reinhard Fendrich, Ambros zählte schon in frühen Jahren zu meiner Lieblingsmusik. Ebenso englischsprachige Songs von Tina Turner, John Lennon, Joan Jett, Bryan Adams, Bruce Springsteen, Queen, Abba, Joe Cocker, Beatles uvm. Zum Nachdenken, Ablenken oder in Rennstimmung zu kommen. Für das Loslassen im Alltag kam später klassische Musik von Mozart, Verdi, Haydn u. a. nicht zuletzt durch meine Mutter und durch die Teilnahme im Salzburger Domchor dazu. Mich sprechen auch Filmmusik und das bunte Repertoire des KammerChor KlangsCala, in dem ich seit 2008 mitsinge sowie z. B. Schweizer Mundartlieder an.
Hatten Sie vor und/oder nach Wettkämpfen Rituale, bei denen Musik/Singen eine Rolle spielt? Wenn ja, welche Wirkung hatte Musik da?
Nach den Wettkämpfen hatte ich beim lockeren Auslaufen meinen Walkman dabei. Zum Runterkommen, oder um im Rhythmus der Musik Athletikübungen zu machen. Besondere Rituale gab es nicht. Leider gab es keinen Chor im Ski-Team :) Ich denke, es hätte für Regeneration und das Teamgefüge einen positiven Effekt haben können.
Kann man Parallelen zwischen der Disziplin und dem Teamgeist im Chor und im Leistungssport ziehen?
Grundsätzlich denke ich schon. Vor allem, wenn das Singen Profession ist. Doch auch im Laienchor ist Disziplin gefordert. Es braucht das sensible Aufeinanderhören und die exakte Befolgung von Anweisung und Takt des Chorleiters. Der Teamgeist ist im Chor also großgeschrieben. Das ist er auch im Spitzensport, vor allem bei Team-Sportarten. Bei Einzelsportarten ist ein guter Teamgeist die Basis für den Erfolg. Allerdings zählt, darauf aufbauend, vor allem die Einzelleistung. Eine sich hervorhebende, weil starke Stimme im Chorverbund, wäre hingegen kontraproduktiv.
Wie beeinflusst das gemeinsame Singen Ihre mentale Stärke und Ihr Durchhaltevermögen im Sport?
Es wäre schön gewesen, damals, neben dem Spitzensport, in einem Chor zu singen. Das Singen lenkt von anderen Dingen ab. Man konzentriert sich auf den Körper, auf die Stimme, auf das gemeinsame Ein- und Ausatmen, auf die Intonation und den Klang, der die Sänger:innen einbettet. Es ist ein Stück weit, wenn ich es so nennen darf, wie Meditation. Der Fokus liegt nur auf dem einen – in diesem Fall, gemeinsam schön zu erklingen. Hinzu kommt Durchhaltevermögen, wie z. B. bei fordernden, langen Chorliedern. Fokus und Durchhaltevermögen auf den Sport umgelegt – ich denke, Singen könnte ein Stück weit hilfreich sein.
Inwiefern kann Singen die körperliche Leistungsfähigkeit im Sport positiv beeinflussen?
Wenn Atemtechnik für das Singen richtig gelernt und Atmen bewusst erlebt wird - das könnte auf alle Fälle auch für den Sport nützlich sein. Die Atmung ist unser Motor, sie haucht Leben und Energie ein. Gleichzeitig kann richtiges Ein- und Ausatmen z. B. das Nervensystem in Balance bringen und Stress abbauen.
Welche Rolle spielt Rhythmus – sowohl in der Musik als auch im Sport – und wie beeinflusst er z. B. Bewegungsabläufe?
Der Rhythmus ist der Taktgeber, in der Musik wie im Sport. Man spricht im Spitzensport auch oft z. B. von: „Ich habe den Rhythmus nicht gefunden“, „ich bin aus dem Rhythmus gekommen“. Der erste Ton in der Musik oder das erste Tor bei einem Slalom im Alpinen Skilauf ist für das „in den Rhythmus kommen“ oft entscheidend, damit man im Lied oder im Slalom so richtig Fahrt aufnehmen kann.