veröffentlicht am 18.02.2025
Mit Musik über sich hinauswachsen
Musizieren von Kindesbeinen kann einen entscheidenden Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung haben. Mit dem Erlernen eines Instruments erwerben Musiker:innen kognitive, motorische und soziale Fähigkeiten, von denen sie ein Leben lang profitieren.
Musik hilft beim Lernen lernen
Unzählige Studien deuten an, dass Kinder, die ein Instrument erlernen, oft eine höhere Konzentrationsfähigkeit entwickeln, ein besseres Gedächtnis haben und lösungsorientierter denken. Die Koordination zwischen beiden Händen, das Erkennen von Mustern und das Hören auf feinste Nuancen im Klang sensibilisieren das Gehirn. „Ich kann nicht genau sagen, ob man schlauer wird, wenn man ein Instrument erlernt, aber es ist mit Sicherheit schlau, es zu tun“, bringt es MMag. Ludwig Nussbichler, Direktor des Musikum Stadt Salzburg, auf den Punkt. „Das Wichtigste pädagogisches Prinzip ist: Ich lerne, was und wie ich es tue. Somit lernen die Schüler:innen im Instrumental- und Gesangsunterricht zu lernen und sich konsequent über einen längeren Zeitraum Fertigkeiten zu erarbeiten. In der Musik kommen aus meiner Sicht noch zwei wichtige Aspekte dazu: die Entwicklung der Fähigkeiten des Gehörs und das emotionale Empfinden, die Seele unserer Schüler:innen.“ Durch das stetige Üben erfahren Kinder, dass Fortschritt Geduld und Disziplin erfordert, aber mit Freude belohnt wird. Sie lernen, dass mit Begeisterung und Denken Herausforderungen erfolgreich bewältigt werden können.
Musikum bietet musikalische Elementarbildung
Eine Studie des Deutschen Musikrats aus dem Jahr 2020 kam zu dem Ergebnis, dass Musik sehr wichtig für die Persönlichkeitsbildung von Kindern ist, aber in den ersten Schuljahren viel zu wenig stattfindet. Musikalische Grundbildung ist eine elementare Kulturtechnik, werde in den Grundschulen zu selten unterrichtet und dann auch noch häufig von nicht dafür ausgebildeten Lehrkräften. Sie sei aber wichtiger Baustein für die Bildung der Persönlichkeit von Heranwachsenden und gehöre zu den elementaren Kulturtechniken. Genau hier setzt auch das Musikum mit seinem Angebot zur frühkindlichen Musikerziehung an, etwa mit dem Förderangebot „Singendes Klassenzimmer“ und dem ganzheitlichen Musizieren (GMU) in Volksschulen. „Musikalische Früherziehung ist deshalb so wichtig, weil sie gerade in dem frühen Stadium einerseits sprachfördernd wirkt und zum anderen die kognitiven sowie koordinativen Fähigkeiten stärkt. Auch ist es sinnvoll, von klein an in einem sozialen Gefüge zu lernen, denn so wird das gemeinsame Tun und Erleben gestärkt“, unterstreicht Musikum-Landesdirektor Thomas Aichhorn MA MA.
Gemeinschaftsfördernd und verbindend
Wer in einem Orchester, einem Ensemble oder in einer Band spielt, lernt Teamarbeit, Rücksichtnahme und Kommunikation. Kinder, die musizieren, können sich oft besser in Gruppen einfinden, sind empathischer und entwickeln ein verstärktes Gemeinschaftsgefühl – Fähigkeiten, die auch im späteren Berufs- und Privatleben von großer Bedeutung sind. Der Musikpädagoge Hans Günther Bastian sprach in diesem Zusammenhang in seiner Langzeitstudie von 2001 über verstärkten Musikunterricht an Schulen von sogenannten „Transfereffekten“, bei denen sich positive Aspekte im Laufe des Erlernens eines Instruments auch auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern auswirkten.
Eine lebenslange Bereicherung
Diese Erfahrung machen auch unsere Musikum-Lehrenden immer wieder: „Musikunterricht ist auch gut für das Auftreten und die Persönlichkeitsentwicklung, etwa wenn Kinder Stücke selbst ansagen oder eine kurze Geschichte zum Stück erzählen – dann hilft das auch beim Auftreten im täglichen Leben. Es ist auch so, dass Kinder, die musizieren können, miteinander gut umgehen, denn sie lernen aufeinander zu hören. Das ist genau das was unsere Gesellschaft braucht: einfach einmal zuzuhören“, erzählt Barbara Brugger, Leiterin vom Musikum Tamsweg. Musik ist somit weit mehr als ein Hobby. Sie formt unsere kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten und bereichert unser Leben in vielfacher Hinsicht. Das Musizieren ist eine Bereicherung, die ein Leben lang über Generationen, Kulturen und Grenzen hinweg verbindend wirkt.
Quellenangaben:
Bastian, Hans G., Kinder optimal fördern – mit Musik. Intelligenz, Sozialverhalten und gute Schulleistungen durch Musikerziehung. Schott-Verlag, Mainz 2007.
Studie Deutscher Musikrat
Pressemeldung des Deutschen Musikrates, „An deutschen Grundschulen fehlen 23.000 ausgebildete Musiklehrerinnen und Musiklehrer – Tendenz steigend“: https://www.nmz.de/bildung-praxis/hochschulen-akademien/studie-zu-musik-grundschulen-wichtig-und-zu-wenig
https://www.morgenpost.de/politik/inland/article228667895/Studie-zu-Musik-an-Grundschulen-wichtig-und-zu-wenig.html
Interview mit Musikwissenschafter Wolfgang Martin Stroh