22. Oktober 2026
Warum wir die Blockflöte und ihre Musik lieben
In unserer neuen Serie zu oftmals falsch eingeschätzten und seltenen Instrumenten starten wir mit einer Bekannten: der Blockflöte.
Die Blockflöte ist ein Kinderinstrument, oder? Nein, nur weil viele Kinder mit diesem Instrument zu musizieren beginnen, ist sie bei Weitem kein Anfängerinstrument und mehr als nur ein „Lernwerkzeug“ zum Einstieg. Das Musizieren ist auf ihr gut erlernbar, weil sie leicht – im Sinne von „mit leichten Fingern“ – spielbar ist, aber es steckt viel mehr dahinter.
So schön, dass man gar nicht aufhören kann
Die Blockflöte ist eines der am meisten unterschätzten Instrumente, oder um es mit den Worten Barbara Bruggers, Direktorin des Musikum Tamsweg, zu sagen: „Ich hab’ einfach vergessen, mit dem Blockflötenspiel aufzuhören – weil es so schön war.“ Die Blockflöte hat ihre Schwerpunkte zugleich bei der sogenannten Alten Musik als auch Neuen Musik. Brugger empfindet es so: „Mich berühren Blockflötenstücke oft stärker als große Orchesterwerke, weil der Klang der Blockflöte so fein und unmittelbar ist. Besonders die Alte Musik und ihre barocken Werke lösen in mir tiefe Gefühle aus.“ Es gibt für die Blockflöte auch wunderschöne Literatur für das Solospiel sowie für kleinere und größere Ensembles. Im mehrstimmigen Zusammenspiel entsteht ein ganz besonderer gemeinsamer Klang.
Eine Blockflöte, viele Instrumente
Man spricht bei der Blockflöte oft von nur einem Instrument, doch gemeint ist hier eine große Instrumentenfamilie mit vielfältigem Charakter. Es gibt Blockflöten aus verschiedenen Hölzern, in verschiedenen Bauformen, Stimmtonhöhen, Klangpersönlichkeiten und Größen: von Sopranino- bis Subbassblockflöten, „Exoten“ wie Mittelalterflöten, G-Altblockflöten, sogenannte Ganassi- und Consortblockflöten, neue Blockflötentypenentwicklungen von Paetzold, Helder und viele mehr. Die Blockflöte besticht auch durch ihre Vielfalt in den Spielmöglichkeiten: hohe Beweglichkeit (von virtuosen Läufen und Verzierungen bis zur feinen Artikulation), feine und persönliche Klangnuancen (der Klang spiegelt den/die Spieler:in sehr unmittelbar wider), große Nähe zur menschlichen Stimme (gesangliche Linien, vokale Phrasierung, Einsatz des Atems als musikalischer Impuls und Ausdrucksmöglichkeit) sowie zahlreiche moderne Spieltechniken, die auf ihr möglich sind und sie dadurch auch für zeitgenössische Musik prädestinieren.
Leichte Spielbarkeit, aber vielfältig und kreativ
Barbara Brugger empfindet es so: „Für viele Kinder beginnt der besondere Genuss am Blockflötenspiel dann, wenn sie alle Töne erlernt haben und sich zunehmend dem musikalischen Ausdruck widmen können.“ Aufgrund des einfachen Anblasmechanismus (z. B. ohne Rohrblätter) wird der Luftstrom direkt in Klang umgewandelt. Gerade die vermeintlich „simple“ Konstruktion (kaum Klappen, Labium und Windkanal sind nicht „verbaut“) ermöglicht es, kreativ und vielfältig mit dem Instrument umzugehen. Eine Kollegin aus der Salzburger Fachgruppe beschreibt ihre Begeisterung zur Blockflöte so: „Auch nach vielen Jahren Blockflötenspiel ist es für mich immer wieder wie Magie – das Instrument spricht mir aus der Seele. Ich empfinde die Blockflöte weniger als ein Instrument, das ich bearbeite oder ein Werkzeug, mit dem ich arbeite – es ist mehr wie ein ‚Medium‘, das Inneres hörbar macht“.
Ähnlich empfindet das auch der Musiker, Blockflötist und Fachbereichsleiter für Blockflöte am Musikum, Peter Martin Lackner: „Seit meiner Kindheit und Jugend hat mich der Klang der verschiedenen Blockflöten fasziniert und die Leidenschaft meiner Lehrer:innen für dieses Instrument hat sich unmittelbar auf mich übertragen. Als mir mein erster Lehrer, Ernst Kölz, zum ersten Mal eine Aufnahme des Vivaldi Konzerts in c-Moll – mit Frans Brüggen auf der Altblockflöte und dem Concentus Musicus unter Nikolaus Harnoncourt – vorspielte, wusste ich: Das möchte ich auch einmal können! Und als ich dann selbst auf der Bühne stand und Musikpädagoge wurde, konnte ich diese Leidenschaft für die Blockflöte weitergeben und so ein ,Botschafter‘ für dieses unterschätzte Instrument werden.“